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50 Jahre Traktor Pentz

Aus dem Fußball-Magazin des Landesfußballverbandes Mecklenburg / Vorpommern anläßlich des 50-jährigen Bestehens unseres Vereins:


Im September 2006 feierten die Mitglieder und viele Ehemalige Sportler "50 Jahre Traktor Pentz" im Spartenheim Beggerow.

Siegfried Zellmer hielt ein Dokument in der Hand. "Das ist ein Ausweis von einem der Gründungsmitglieder, Willi Kasch", erklärt er. "Ausgestellt im August 1956." Er zeigt auf die eingeklebten Marken. Siegfried Zellmer weiß aus vielen Erzählungen, dass Anfang der 1950-er Jahre die Kinder und Jugendlichen aus Pentz gern gebolzt haben, vielleicht auch angesteckt vom Weltmeistertitel 1954, als Fritz Walter, Helmut Rahn und Co. den Favoriten Ungarn im Finale geschlagen hatten.
Aus dem Gebolze wurde Sehnsucht. Der Wunsch nach einer Fußballmannschaft wurde stärker.
Im August 1956 schließlich fanden sich Lothar Holzerland, Willi Kasch und Franz Schoknecht zusammen und gründeten den ersten Pentzer Fußballverein, die BSG Traktor Pentz. "Ein Stück Acker wurde urbar gemacht", erzählt Siegfried Zellmer. Die Pentzer zimmerten sich selbst Holztore. Zuerst hatten die Fußballer ihren Rasen am Friedhof, später sei ihnen ein anderes Stück zugeteilt worden.
Dort wird bis heute gekickt, an der B 194. In Eigeninitiative entstand aus Ödland ein Fußballplatz. Mit Traktor und anderem Gerät sei das Stück umgepflügt, die Fläche eingeebnet und Gras gesät worden. Für den Bau der Umkleidekabinen mussten sich die Pentzer die Steine für das Mauerwerk von Abrissbauten zusammensuchen. "Die Leute identifizierten sich mit dem Verein, und das ist bis heute geblieben."
Bis 1963 führte Lothar Holzerland den Verein, übergab dann den Vorsitz an Hubert Mahler. Fünf Jahre später kam Siegfried Zellmer als Sportlehrer nach Schönfeld. "Dann hat mich der Schulleiter gefragt, ob ich Fußball spielen will. Und so kam ich zu Traktor Pentz." Damals war Zellmer 24 Jahre alt, bis 40 hat er bis Bezirksklasse selbst mitgespielt. 1973 übernahm er zudem den Posten als Vorsitzender.
Seit zwölf Jahren leitet Markus Häcker und nun Andreas Germann den Verein und kann sich auf die Unterstützung seines Vaters verlassen. Dieser agiert gern weiter im Hintergrund und kümmert sich um den Fußballnachwuchs.
Einmal Pentz, immer Pentz. Mit dieser Weisheit hält es nicht nur Zellmer. Im Laufe der Jahre sei der Verein für viele wie eine Familie geworden. Mehrere Generationen spielten hier Fußball. Spontan fällt Zellmer die Familie Banhagel ein. Da kickte Norbert Banhagel, sein Sohn Mario und jetzt Enkel Hans-Georg in der E-Jugend. Oder die Wegners. Da schnürte Werner Wegner die Toppen, Sohn Eckbert, und jetzt gehört Enkel Matthias zur Männermannschaft. "Es würde sicher noch andere Beispiele geben."
Doch ein Name steht für Traktor Pentz - der Name Muth. Fünf Brüder haben einst in einer Mannschaft zusammen gespielt auf Bezirksebene. "Das war im DDR-Maßstab einmalig", sagt Siegfried Zellmer. Zu 80 Prozent seien den Muths die fußballerischen Fähigkeiten angeboren gewesen. "Man brauchte ihnen nur einen Ball hinlegen, ein paar taktische Dinge sagen und es ging." Für ihn sei Reinhard der beste Abwehrspieler in Pentz gewesen. Bertold, der heute Trainer des Bezirksliga-Teams ist, war am torgefährlichsten und derjenige, der die meisten Tore geschossen hat. Dann gab es da noch Norbert und Eckhard, und Winfried Muth. Der spielt mit seinen 41 Jahren nach wie vor für Pentz, als Stopper.
Und längst haben die Brüder ihr muthsches Gen weitervererbt.
Bertold Muths Sohn Andreas sei derzeit der "Star" in der Mannschaft. "Er ist in meinen Augen das größte Talent, kopfballstark, technisch musterhaft."
Die Söhne von Eckhard kicken in der zweiten und dritten Mannschaft. "Und es gibt noch einen", sagt der Ehrenvorsitzende. "Bertolds Sohn Christian spielt in der A-Jugend, hat nicht ganz so das Niveau von Andreas, aber ist auch ein großes Talent." Auf die Muths könne man sich immer verlassen. Sie würden nicht nur dem Ball hinterher jagen. "Sie gehen hundert Prozent für den Sportverein auf." Winfried Muth zum Beispiel sei nicht nur Spitze auf dem Rasen, sondern er engagiere sich auch außerhalb des Spielfeldes. "Er walzt den Platz, mäht, kreidet ab", erzählt Siegfried Zellmer. Da guckt er schon mal drüber weg, dass ihn auch manchmal sein Temperament durchgeht.
Neben den Muths gibt es noch die Familie Richter, aus der sechs Mitglieder Fußball spielten oder noch spielen. "Allein schon aus den Richters und Muths hätte man ohne Weiteres eine leistungsstarke Mannschaft formen können", sagt Zellmer.
Doch für den Verein haben sich noch viel mehr Menschen eingesetzt und tun es bis heute. Siegfried Zellmer denkt an die Männer der ersten Stunde, sowie an. Gerhard Mengdehl, Manfred Brungs und Robert Becker. Ulrich Holz sei die gute Seele der ersten Mannschaft. Die Pentzer nennen ihn "Medizinmann", denn er läuft immer mit Medizinkoffer in der Hand und hat Eisspray parat. Er kümmere sich darum, wenn "Klamotten" gebraucht werden. "Er macht's aus Sympathie, hat nie selbst Fußball gespielt."
Weitere Namen wie Danny Breitsprecher, Familie Toboldt, Philipp Fernow, Christoph Brandt oder Jürgen Schülke fallen ihm ein. Letzterer sei besonders ein Vorbild in puncto Fairplay. Und Alfred Quesseleit ist eines der ältesten Mitglieder und treuer Fan bis heute. "Es gibt immer wieder Leute, die helfen mit", sagt Siegfried Zellmer. Alle könne man gar nicht aufzählen.
Das Klima bei Traktor stimmt. Das spürt man. Ehemalige zieht es immer wieder zurück. Die Erfolge auf dem Fußballrasen geben der Vereinsphilosophie Recht.
Von Anfang an hat Traktor die Nachwuchsarbeit groß geschrieben.
Nach mehreren Erfolgen auf Kreisebene wurde Pentz 1977 erstmals Kreismeister und stieg in die Bezirksklasse auf. Zwar sei man gleich wieder abgestiegen, aber 1979 erfolgte der erneute Aufstieg. Seitdem spielt Pentz ununterbrochen auf Bezirksebene. In der Saison 1990/91 stiegen sie erstmals in die Bezirksliga auf, ein zweites Mal 1993/94. Die Serie hat bis 2002 gehalten. Doch schon 2004 landeten sie wieder in der Bezirksliga.
Sie sind erfolgreicher als manch Verein aus der Stadt.
Einer der größten Erfolge war 1987 der Finalsieg um den Bezirkspokal. Gegen Friedland, eine höherklassige Mannschaft, hatte man 3:2 gewonnen. Nach der Wende gewann Pentz schon zweimal das stark besetzte Turnier um den Warbel-Cup in Gnoien.

Der Landesfußballverband wünscht dem SV Traktor Pentz alles Gute auf dem sportlichen Wege und die Fortsetzung der hervorragenden Leistungen in den vergangenen Jahren. Joachim Masuch übergab den Vereinsvorsitzenden Markus Häcker die DFB-Ehrenplakette zum 50-jährigen Jubiläum.

Quelle: Demminer Zeitung 9.9.2006